Roboter im grass 350

In der schwedischen Serie "Echte Menschen" oder auch in den Episoden der Netflixserie "Black Mirror" wird das Verhältnis von Ethik und Maschinen thematisiert.

In Grundfragen der Maschinenethik (Reclam ISBN: 9783150195833) geht Catrin Misselhorn der Frage nach, wie Ethik in die Entwicklung von Maschinen eingehen kann.

 

Der erste Abschnitt des Buches beschäftigt sich zuerst mit den technologischen Grundlagen. In einer kurzen Übersicht beschäftigt sie sich präzise und kenntnisreich mit Fragen wie z.B. der Turingmaschine, Neuronaler Netze oder Searles chinesischem Zimmer. Sie zeigt dabei einen Kenntnisreichtum, wie er bei so manchem Philosophen, der sich mit Informationstechnologie beschäftigt, nicht immer feststellbar ist. Im weiteren Verlauf besschreibt sie die wichtigen moralphilosophschen Grundlagen des Uilitarismus, der kantischen Ethik und der Tugendethik in ihrem Verhältnis zu technologischen Entwicklungen.

Im nächsten Abschnitt ihres Buchs geht Misselhoff auf die moralischen Akteure bei der Entwicklung und Anwendung von Maschinen ein. Wer ist eigentlich verantwortlich für das Geschehen beim Einsatz von Robotern? Inwieweit ist ein Roboter ein moralischer Akteur? Oder die Person, die die Maschine konstruiert? Sie überträgt dabei die im vorherigen Abschnitt beschriebenen moralischen Ansätze des Utilitarismus und des deontologischen Ansatzes der Kantischen Ethik auf die Implementation von informationsverarbeitenden Systemen.

Die Realsierung der theoretischen Fragen erläutert sie an den Beispielen Pflegesystem, militärische Maschinen und autonomes Fahren. Sie arbeitet dabei deutlich heraus, wie in der alltäglichen Praxis die zuvor dargestellten Prinzipien entscheidend sind für die Entwicklung und den Einsatz von neuen Technologien werden.

Zum Schluss behandelt Misselhorn noch die Fragen im Zusammenhang mit der Singularität, also dem Zeitpunkt, an dem die maschinelle Intelligenz der menschlIchen Intelligenz abgeblich überlegen sein soll. Sie verdeutlicht, dass bei allen Entwicklungen, wie immer sie auch sein mögen, die "Ausübung unserer moralischen Fähigkeiten" den Menschen ausmacht.

Durchgehend zeigt Misselhorn in ihrem Buch eine erfreuliche Fähigkeit zur Differenzierung, jenseits von Hurra-Technizismus und Technologieverdammung. Das macht das Buch so lesenswert, es liefert eine Grundlage, auf der Diskussionen zu den wichtigen Themen zukünftiger Entwicklungen mit Vernunft geführt werden können.