Die Wochenenddausgabe der FR vom 30.6. bringt die ganze Bandbreite der technologischen Entwicklung in Deutschland auf den Punkt: Künstliche Intelligenz und Calliope. Während einerseits der Deutschlandchef von IBM deutlich macht, in welchem Ausmaß der Einsatz von KI die wirtschaftliche und soziale Entwicklung beeinflusst, versuchen interessierte Menschen Grundschulkindern die ersten Schritte im Programmieren zur vermitteln.

 

Angesichts der Bedeutung der Informationstechnologien für die Entwicklung unserer Gesellschaft ist erschreckend, dass die Initiative für die Kinder keinerlei öffentliche Förderung erhält. Was Matthias Hartmann als ökonomische und gesellschaftliche Wirklichkeit beschreibt, ist kein Thema in der offiziellen Bildungspolitik des Landes Hessen. Es gibt für die Sekundarstufe I keinen Lehrplan für informationstechnologische Grundbildung, vereinzelt versuchen Initiativen von engagierten LehrerInnen und Eltern wenigstens Grundkenntnisse der IT anzusprechen ohne dafür die entsprechende Unterstützung der Bildungspolitik zu erhalten.

In diese riesige Lücke stoßen dann Firmen wie z.B. Google (OpenRoberta, Google Zukunftswerkstatt, Calliope), Microsoft („Microsoft Bildung“, Calliope) oder die Telekom (Stiftung Telekom). Deren unausgesprochenes Lernziel ist die Codierfähigkeit von Kindern und Jugendlichen. Gesellschaftliche und ökonomische Auswirkungen von IT stehen im Hintergrund dieses Bildungskonzepts, eine kritische Auseinandersetzung über Inhalte findet kaum statt.

Dringend nötig ist die Entwicklung der informationstechnologischen Grundbildung für LehrerInnen und SchülerInnen verbunden mit Fragen der Medienkompetenz. Hier sind die BildungspolitikerInnen gefragt, die endlich das „I“ in MINT ernst nehmen und die in der KMK-Erklärung zur „Bildung in der digitalen Welt“ vom Dezember 2016 in die Realität umsetzen müssen.