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Martin Kraft - Cc-BY-SA 3.0

Offener Brief - Antworten der Direktkandidaten

Bis zum heutigen Tag, den 16.10.2018, haben lediglich die Kandidaten der FDP (Stefan Naas)) und der SPD (Henning Groskreutz) auf meinen offenen Brief geantwortet. Die Antworten machen deutlich, dass beide Verfasser sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben und auch eine Verbesserung der Situation für notwendig ansehen.

Update: Während des Verfassens dieses Beitrags erreichte mich noch eine Stellungnahme des Spitzenkandidaten der SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel.

 Update 2: MIttlerweile hat auch die Kandidatin von Bündnis90/die Grünen, Patricia Peveling geantwortet

Update 3: Auch der Kandidat der CDU, Herr Banzer, hatt jetzt geantworet.

Die Kandidaten/Kandidatinnen der anderen Parteien haben sich in beredtes Schweigen gehüllt.

Henning Groskreutz (SPD)

Sehr geehrter Herr Stolzenwaldt,

vielen Dank für Ihre Mail vom 17.09. Unser Regierungsprogramm für die Jahre 2019-2024 stellt Themen Bildung, Wohnen und Mobilität für die Arbeit der kommenden Jahre in den Mittelpunkt. Ein zentrales Anliegen ist für uns auch das von der CDU in den letzten 19 Jahren vernachlässigte Bildungswesen zu modernisieren. Genau wie Sie sehen wir eine zentrale Aufgabe darin, die zentralen Herausforderungen der Digitalisierung anzugehen.

Dabei umfasst für uns Modernisierung

  • Schulgebäude mit moderner Einrichtung, Internetanschlüssen und modernen Geräten
  • Lehrpläne, die Medienpädagogik und informatorische Grundbildung fächerübergreifend auf Basis des Kompetenzmodells der KMK Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ (2016) umsetzten
  • Unterstützung der Lehrer für die neuen Inhalte und Methoden durch Stärkung und Fokussierung der Lehrerfortbildung
  • Demokratisierung der Schulen und Einbindung aller am Bildungsprozess Beteiligten (Schüler, Eltern und Lehrer).

 Die Digitalisierung erfordert Kompetenzen in zwei wesentlichen Bereichen, Medienkompetenz und informatorische Grundbildung. Dabei geht es in der Grundbildung, wie Sie richtig sagen, nicht um Informatikunterricht oder Programmierkenntnisse.

Aber auch hierfür müssen in den weiterführenden Schulen Angebote geschaffen werden.

Da bereits heute viele Angebote an den Schulen nur durch Quereinsteiger realisiert werden können und uns klar ist, dass wir nicht kurzfristig alle die benötigten Lehrer ausbilden können, haben wir für Quereinsteiger ein Angebot in unser Regierungsprogramm aufgenommen. Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, müssen sehr gut auf den Lehrerjob vorbereitet werden. Sie brauchen eine verlässliche  Perspektive  mit gleichwertiger Nachqualifizierung – damit sie dauerhaft und engagiert dabeibleiben.
Unser ausführliches Programm finden Sie hier: https://www.spd-hessen.de/regierungsprogramm/regierungsprogramm-2019-24/

Mit freundlichen Grüßen

Henning Groskreutz

www.henning-groskreutz.de

 

Stefan Naas (FDP)

Sehr geehrter Herr Stolzenwaldt,

eingangs möchte ich mich im Namen der FDP Hessen für Ihre Email vom 17.09.18 bedanken. Gleichsam möchte ich Ihnen mitteilen, dass das Ihrerseits angesprochene Thema – die Digitalisierung des hessischen Bildungsbetriebs – eines jener Kernthemen darstellt, welches die Freien Demokraten innerhalb der kommenden Legislaturperiode primär in Angriff nehmen werden.

Von Seiten der FDP sind diesbezüglich folgende Maßnahmen im Einzelnen ins Auge gefasst: Als Grundvoraussetzung für die beabsichtigte Digitalisierung des Lehr- und Bildungsbetriebes in der Praxis wird unsererseits zunächst die Ausstattung sämtlicher Bildungsinstitutionen in Hessen mit modernster Informationstechnologie forciert werden, wobei die hierfür anfallenden Gelder i.H.v. insg. 50 Mio. € nach unseren Vorstellungen in Form eines Digitalisierungsbudgets von Seiten des Landes Hessen bereitgestellt werden sollen.

Die in Rede stehenden Modernisierungsmaßnahmen sollen primär eine Nutzung der betreffenden Informationstechnologien für- und im Rahmen der Lehr- und Bildungstätigkeit durch Lehrer bzw. Schüler, wie z.B. durch die Einrichtung von Videokonferenzschaltungen und sog. E-Learning-Plattformen zur Ergänzung bestimmter, analoger Unterrichtsformen im Rahmen eines koordinierten Gesamtlehrkonzeptes ermöglichen. Ferner zielen diese Modernisierungsmaßnahmen auch auf die Vernetzung von Bildungsinstitutionen untereinander sowie mit externen Institutionen zur Beförderung eines Informations- und Wissensaustauschs zwischen denselben ab.

Parallel zu diesen technischen Modernisierungsmaßnamen soll per entsprechender Änderung der Lehrpläne das Lehrfach ‚Informatik‘ in den Kanon der naturwissenschaftlichen Schulfächer mit aufgenommen werden und das bereits stellenweise unterrichtete Fach ‚Informatik‘ in das Schulfach ‚Digitalkunde‘ fortentwickelt werden. Im Rahmen dieser neu eingeführten bzw. fortentwickelten Schulfächer soll dann nebst der Grundlagenkenntnisse und -fertigkeiten zum korrekten technischen Umgang mit Informationstechnologien - die sog. Bedienkompetenz – auch weiterführende Medien- und Anwendungskompetenzen zu einem risikofreien und ethisch korrekten Umgang mit Informationstechnologien an die SchülerInnen vermittelt werden.

Korrespondierend mit der Einführung bzw. Fortentwicklung von ‚Informatik‘ und ‚Digitalkunde‘ als Schulfächer wird von Seiten der FDP zudem auf die Einführung von für sämtliche - und nicht nur einige wenige - Lehrkräfte obligatorischen Fortbildungsmaßnahmen hingewirkt werden, im Wege derer die betreffenden Lehrkräfte zur selbstständigen Anwendung der vorhandenen Informationstechnologien, wie z.B. von E-Learning-Plattformen, im Rahmen ihrer Lehr- und Bildungstätigkeit befähigt werden. Flankiert werden sollen diese Fortbildungsmaßnahmen durch die Präsenz von Jugendschutzbeauftragten und Medienberatern, die den Bildungseinrichtungen bei Fragen und Problemen mit informationstechnischem Bezug beratend und unterstützend zur Seite stehen.

Die hier beschrieben Innovationen - die Ausstattung sämtlicher Bildungsinstitutionen mit modernster Informationstechnologie nebst der Einführung bzw. Fortentwicklung der Schulfächer ‚Informatik‘ und ‚Digitalkunde‘ und der benannten Fortbildungsmaßnahmen für Lehrkräfte – sollen zudem anhand eines entsprechenden Schul- und Medienentwicklungsplans bzw. eines Fortbildungskonzeptes von Seiten des Kulturministeriums durchgesetzt und sichergestellt werden.

Die Einbeziehung der Elternvertretungen in die der benannten Innovationen sollte des weiteren im Rahmen der allgemeinen Einbeziehungen der Schul-, Stadt-, Kreis-, und Landeselternvertretungen in die schulpolitische Diskussionen erfolgen. Abschließend sei Ihnen versichert, dass von Seiten der FDP nichts unversucht gelassen wird, um die Digitalisierung der hessischen Bildungsinstitutionen sowie ihres Lehr- und Bildungsbetriebs als Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes Hessen voranzutreiben!

Herzlicher Gruß Ihr

Stefan Naas

 

Patricia Peveling (Bündnis 90 / Die Grünen)

Sehr geehrter Herr Stolzenwaldt,

bitte entschuldigen Sie, dass die Beantwortung etwas gedauert hat. 

Ich persönlich sehe die Problematik so wie Sie, die Schüler müssen heute nicht Programmieren lernen, aber der kompetente Umgang mit digitalen Medien sollte unbedingt vermittelt werden. Umgesetzt wird dies an den Schulen bislang nur sehr rudimentär, und dies hängt nach meiner persönlichen Wahrnehmung vorrangig damit zusammen, dass den Lehrern selbst entsprechende Kenntnisse fehlen. Mit dem Beschluss der KMK zur "Bildung in der digitalen Welt" ist aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung erfolgt, denn dieser umfasst sowohl den Hochschul- wie auch den Schulbereich. Jetzt muss die Umsetzung erfolgen. 

Zu Ihren konkreten Fragen:

Welche konkreten Schritte wollen Sie unternehmen, um diesem Missstand
Abhilfe zu schaffen?

Für uns ist die Umsetzung der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz eine wichtige Grundlage, damit alle Schüler*innen auch im Bereich der digitalen Medien und IT zeitgerecht ausgebildet werden. Dazu werden wir das Landesprogramm zum Anschluss von Schulen an das Breitbandnetz fortsetzen. Hinzu kommen eine adäquate digitale Ausstattung der Schulen und die Vernetzung innerhalb des Schulgebäudes. Hierzu bedarf es großer Kraftanstrengungen der Schulträger, die aber nicht ohne Unterstützung durch das Land und den Bund zu leisten sind. Hierbei geht es nicht nur um finanzielle Unterstützung, sondern auch um das Setzen von Standards („was und mit welchen Medien müssen die Schüler*innen lernen und wie müssen dementsprechend die Schulen ausgestattet sein?“). Daher wollen wir den geplanten Digitalpakt zwischen dem Bund und den Ländern in Hessen durch einen Digitalpakt zwischen dem Land und den Schulträgern ergänzen.

Wie werden Sie darauf hinwirken, dass informationelle Grundbildung und
Informatikunterricht Standard an den Schulen wird?

Durch einen Digitalpakt zwischen dem Land und den Schulträgern.

Welche Förderprogramm zur Lehrerfortbildung sind aus Ihrer Sicht notwendig?

Lehrer können Schüler*innen nur vermitteln, was sie selber gelernt haben und wissen. Eine gute Aus- und Weiterbildung der Lehrer*innen in dem Bereich der digitalen Medien und IT ist daher Grundvoraussetzung. Wir wollen daher sowohl die Ausbildung an den Hochschulen fördern als auch der Fort- und Weiterbildung einen größeren Stellenwert in der schulischen Praxis einräumen. 

Gleichzeitig wollen wir die Eigenverantwortung der Schulen stärken, in dem sie ein Förderbudget erhalten sollen, über dessen Verwendung die Schulen mit größtmöglicher Freiheit entscheiden können, um den tatsächlichen Bedürfnissen vor Ort am besten gerecht werden zu können. 

Welche Förderung von SchülerInnen beim Erwerb informationstechnischer Grundbildung werden Sie unterstützen?

Curricula und Lernmethoden müssen sich nicht dauernd ändern. Allerdings haben Schüler*innen ein Recht darauf, dass sie der Lebenswirklichkeit im 21. Jahrhundert angepasst werden, damit sie ausreichend auf die späteren Ansprüche in Ausbildung, Studium und Beruf vorbereitet werden. Auch kann das Smartphone das schwere Wörterbuch ersetzen oder die E-Learning-Plattform die Blättersammlung. Dafür brauchen Schulen die notwendige Ausstattung wie bspw. SMART-Boards, Whiteboards oder Dokumentenkameras. Der Einsatz digitaler Endgeräte ist für uns niemals Selbstzweck, sondern muss in ein pädagogisches Konzept eingebunden sein. Dabei gilt: Digitales Lernen muss für alle zugänglich sein, es braucht klare Sponsoringregeln und freier Software ist Vorrang zu geben. Die Digitalisierung unserer Schulen bedeutet jedoch nicht, dass auf den Erwerb analoger Kompetenzen wie Schreiben, Lesen, Rechnen oder die musische und sportliche Basiserziehung verzichtet werden kann.

Wie wollen Sie die Elternvertretungen in die Diskussion um die Entwicklung informationstechnischer Kompetenzen einbeziehen?  

Die Elternvertretungen werden bereits dadurch einbezogen, dass der Landeselternbeirat gegenüber dem Kultusministerium ein Anhörungs-, Auskunfts- und Vorschlagsrecht hat und grundlegende Bestimmung der Zustimmung des Landeselternbeirats bedürfen. Allerdings kommt es natürlich darauf an, wie transparent das Kultusministerium mit den gegebenen Regelungen umgeht. Wir begreifen Bildung als ein gemeinsames und konstruktiven Miteinander aller Beteiligter. Vor allem hinsichtlich eines verantwortungsvollen und reflektierten Umgangs mit den digitalen Medien wollen wir, dass dieser Erziehungsauftrag von Eltern und Schule gemeinsam wahrgenommen wird, denn die sozialen Medien nehmen einen großen Anteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen ein, so dass es unbedingt erforderlich ist, hier gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Patricia Peveling

 

Jürgen Banzer (CDU)

Sehr geehrter Herr Stolzenwaldt, haben Sie besten Dank für Ihre E-Mail sowie die darin enthaltenen Fragen im Hinblick auf das Fach Informatik an Schulen.

Ihre Fragen 1, 2 und 4 beantworte ich im Gesamten wie folgt:

Wie Sie in Ihren Ausführungen zutreffend festgestellt haben, hat Herr Staatsminister Lorz bereits Ende 2016 eine Qualitätssteigerung für den Unterricht im Fach Informatik an hessischen Schulen zugesagt. Ich schließe mich Herrn Lorz darin an, dass solide Kenntnisse von Informations- und Kommunikationstechnologien von entscheidender Bedeutung für die junge Generation ist. Ich werde den Kultusminister Lorz auch weiterhin dabei unterstützen, dass er auch in der Zukunft die Schulen im Hinblick auf das Fach Informatik weiter ausbaut.

Zu 3.):

Eine aktive und regelmäßige Teilnahme von Lehrkräften an Fortbildungsveranstaltungen ist eine wesentliche Voraussetzung zum dauerhaften Erhalt der beruflichen Qualifikation und der schulischen Qualitätsentwicklung. Nur durch qualitativ hochwertige Fortbildungsangebote in Theorie und Praxis können Lehrkräfte ihr pädagogisches, didaktisches und fachliches Wissen und Können vertiefen und ausbauen. Im Hinblick auf die Umsetzung passgenauer Angebote zur Qualitätsentwicklung der Schulen in Hessen hat das CDU-geführte Kultusministerium erst kürzlich wichtige Veränderungen bei der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften vorgenommen. So orientieren sich die unterschiedlichen Angebote der hessischen Kultusbehörden seither vor allem an der konkreten Nachfrage nach gezielten Veranstaltungen und Inhalten einerseits sowie an landesweit einheitlichen Qualitätsstandards andererseits. Die Unterstützungsangebote greifen dabei neben bewährten Formaten verstärkt aktuelle Herausforderungen der Schulen wie im Bereich der Digitalisierung, Ganztagsangebote, Sprachförderung oder Inklusion zielgerichtet auf und ermöglichen neben Veranstaltungen für einzelne Lehrkräfte auch maßgeschneiderte Beratungsangebote für Kollegiumsgruppen. Um auf den konkreten Bedarf und die Anliegen der teilnehmenden Lehrkräfte einzugehen, wurden bei der Konzeptentwicklung von Anfang an Akteure aller Schulformen einbezogen. In einem kontinuierlichen Prozess sind diese bereitstehenden und zertifizierten Angebote nach Auffassung der CDU Hessen fortwährend zu evaluieren und bedarfsgerecht auszuweiten und anzupassen.

Zu 5.):

Zur Einbeziehung der Eltern kann ich lediglich auf die allgemeinen Mitwirkungsrechte gemäß HSchG (§ 100 ff.) verwiesen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Banzer