SinnlosesToraufWiese klein

Wenn es bei der digitalen Bildung hakt, dann liegt es nicht daran, dass Methoden und Werkzeuge zum Lernen im Digitalen und über’s Digitalen fehlen würden. Im Folgenden eine kleine Auswahl aus der (fast) unübersichtlichen Vielfalt an Angeboten. Und eine kleine Strukturierung, denn häufig werden die Begriffe pädagogische Methoden und Werkzeuge vermengt. Methoden beschreiben die Vorgehensweise im Unterricht, Werkzeuge die Mittel, die in der praktizierten Vorgehensweise verwendet werden. Häufig werden in einer Methode verschiedene Werkzeuge verwendet. Eine besondere Bedeutung haben die mit sogenannten „commons“-Lizenzen, also frei erhältliches Material. Ein Anlaufpunkt im Netz ist https://open-educational-resources.de/

Methoden

Hier werden einige Methoden beschrieben, in denen unterschiedliche Werkzeuge eingesetzt werden können.

Barcamps

Der Veranstalter eines Barcamps gibt einen inhaltlichen Rahmen vor, Teilnehmerinnen schlagen eigenständig Themen innerhalb dieses Rahmens vor und organisieren den Austausch in Arbeitsgruppen. Zur Durchführung eines Barcamps werden die organisatorisch notwendigen Mittel bereit gestellt, Inhalte werden von den Teilnehmenden in Gruppen erarbeitet und dann der Gesamtgruppe vorgestellt.

Verteiltes Arbeiten

Die Arbeit an einem Dokument, einer Grafik, einem Video findet nicht zentral an einem Ort statt. Die Teilnehmerinnen nutzen für die Erstellung und Bearbeitung Programme, die eine gemeinsame Nutzung im Internet ermöglichen (Teams, etherpads, Online-Grafikerstellung, etc.). Dabei eingesetzte Mittel können gemeinsame Textbearbeitung (etherpads), Online Graifkerstellung, Online-Whitenboards u.v.m. sein.

In der Softwareerstellung hat sich das Werkzeug Git als Standard etabliert. Damit können sehr große Projekte wie z.B. die Entwicklung von Linux organisiert werden.

WBT

Vorgefertigte Lerneinheiten können von den Teilnehmenden über das Internet bearbeitet werden. Diese WBTs zeichnen sich dadurch aus, dass Selbstlernformate, unterteilt in kleine Lerneinheiten, erstellt werden.

Webinare

Seminare zu bestimmten Themen, die über das Internet durchgeführt werden. Dabei wird die klassische Form des Seminars auf die Möglichkeiten des Internets übertragen. Im Unterschied zu WBTs sind Zeit, Raum(=Internet) und Seminarleitung festgelegt.

Direktes 1-zu-1-Coaching:

Teilnehmende und Lehrende treten einzeln in direkten Kontakt. Ein solches Coaching ist häufig notwendig, um individuelle Probleme von Lernenden wie z.B. Lernblockaden oder Wissenslücken zu überwinden.

Flipped Classroom

Im Konzept des Flipped Classroom wird die Standardsituation des Lernens umgedreht. Im Unterricht wird nicht mehr Wissen vermittelt, dass außerhalb des Unterrichtsraums weiter vertieft wird. Beim flipped classroom erarbeiten sich die Teilnehmenden das Wissen außerhalb des Unterrichts, im Unterricht wird dann das Wissen aufgegriffen und weiter verarbeitet und vertieft.

Augmented Reality

Augmented Reality nimmt die Realität als Grundlage und erweitert die Wahrnehmung der Realität um zusätzliche Elemente. So können Videos um eingeblendete Texte, Bilder oder auch andere Videos erweitert werden Es ist zu erwarten, dass die diese technischen Möglichkeiten durch VR-Brillen und den damit verbunden Hologrammen die Bildungsarbeit disruptiv verändern wird.

Werkzeuge

LMS (Learning Managment Systems)

LMS bieten bei der Nutzung die Möglichkeit, verschiedene Methoden und Werkzeuge in eine einheitliche virtuelle Lernumgebung zu integrieren. Das größte LMS weltweit ist moodle, es gibt aber auch andere wie z.B. ILIAS, OLAT oder Iprendo. Es ermöglichte den Lernenden unabhängig von Raum und Zeit sich Wissen anzueignen.

Videokonferenzen

Mit Videokonferenzen können Teilnehmende sich von verschiedenen Orten aus zu Konferenzen treffen. Sie können optisch und akustisch kommunizieren, häufig sind Chats, Whiteboards, Übermittlung von Bildschirminhalten oder andere zusätzliche Kommunikationsmittel nutzbar. Die kommerziellen Videokonferenzen sind häufig unter Gesichtspunkten der informationellen Selbstbestimmung kritisiert worden. Wie Videokonferenzen technisch funktionieren habe ich hier beschrieben:

Git

Git ist ein System zu Verwaltung von Versionen eines großen Dateisystems. Git ist für die Softwareentwicklung ein Quasi-Standard, damit werden Großprojekte wie z.B. die Entwicklung von Linux . Es erfordert ein erhebliches Maß an Einarbeitung und ist vor allem sinnvoll für große Projekte mit vielen Mitarbeitenden.

Chat / Soziale Medien

Soziale Medien, insbesondere Chats, sind weit verbreitet und können auch gut für die Kommunikation innerhalb von Lerngruppen eingesetzt werden. Kritisiert werden einige dieser Chatprogramme unter datenschutzrechtlichen Aspekten. Insbesondere in Lernumgebungen sollte auf diesen Aspekt geachtet werden, da es auch um die persönlichen Daten der Lernenden geht.

Instant Messenger

Instantmessenger bieten die Möglichkeit, schnell und problemlos Nachrichten auszutauschen. Im Gegensatz zur SMS ist die Handhabung sehr einfach und es werden Zusatzfunktionen wie die Übermittlung von Bildern, Sprachnachrichten et. Angeboten.

Der bekannteste Intant-Messenger ist WhatsApp, der aber aus Datenschutzgründen immer wieder kritisiert wird. Bekannte Alternativen sind Telegram, Signal und threema.

Weniger bekannt in Deutschland sind folgende Instant-Messanger:

IRC: (Inernet Relay Chat) Der Methusalem unter den Instant-Messenger (1988 entwickelt) ist rein textbasiert und wird heute kaum noch verwendet

WeChat: Vom chinesischen Internetkonzern Tencent betriebener Instant-Messenger, der verdächtigt wird, für die chinesische Regierun zu spionieren. Hat ca. 1,2 Milliarden Nutzerinnen weltweit.

Matrix: Ein OpenSource Instant Messenger, der die höchsten Sicherheitsstandards erfüllt. Er wird für die interne Kommunikation bei der Bundeswehr eingesetzt und wird seit 2019 als Standard in allen französischen Ministerien, Behörden und Ämtern eingeführt. Er wird unter anderem auch von der Gematik im Gesundheitssystem zur Verfügung gestellt.

Twitter / Instagram / Youtube...

Diese sozialen Medien sind den meisten Teilnehmenden bekannt und werden häufig genutzt. Im Zusammenhang mit Unterricht sollten die Bestimmungen der DSGVO beachtet werden und wenn möglich andere Wege der Kommunikation gewählt werden, da nicht immer sicher gestellt werden kann, dass die informationelle Selbstbestimmung gewahrt bleibt.

Chatbot

Chatbots sind scheinbar intelligente Programme, die einem Menschen vermitteln, Kommunikationspartner zu sein und Fragen zu beantworten. Sie erkennen Muster in einer Frage und suchen in einer Wissensdatenbank zu diesen Mustern eine entsprechende Antwort. Da Wissensdatenbanken umfangreich sein können, z.B. Wikipedia, und die Programme zur Mustererkennung sehr effektiv sind, kann in gewissem Umfang eine differenzierte Kommunikation zwischen Fragendem und System hergestellt werden. Wie auch bei den Sozialen Medien ist hier besonderes Augenmerk auf die Konformität mit der DSGVO zu achten.

Wiki

Originaldefinition von Wikimedia: „Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“)[1] ist eine Website, deren Inhalte von den Besuchern nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Webbrowser bearbeitet und geändert werden können (Web-2.0-Anwendung).

Das Ziel ist häufig, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln (kollektive Intelligenz) und in für die Zielgruppe verständlicher Form zu dokumentieren. Die Autoren erarbeiten hierzu gemeinschaftlich Texte, die ggf. durch Fotos oder andere Medien ergänzt werden (kollaboratives Schreiben, E-Collaboration).“

Etherpads

Etherpads sind einfache Online-Schreibprogramme mit denen sich Personen schnell gemeinsam an einem Text arbeiten können. Ihr Funktionsumfang ist gegenüber dern Offcie-Programmen sehr reduziert, er reicht aber in der Regel aus um relativ kurze Texte (ca. vier DIN-A4- Seiten) und wenigen Teilnehmerinnen kollaborativ zu erstellen.

H5p

Ein im Rahmen der Covid-Pandemie von vielen Pädagogen entdecktes und sich schnell weiter entwickelndes Werkzeug ist h5p. H5p stellt eine Weboberfläche zur Verfügung mit der digitale Unterrichtsmaterialien erstellt werden können, die dann wieder in Webseiten eingebunden werden können. Auch in moodle ist dieses Werkzeug als ein Modul in der Standardinstallation enthalten.

Digitale Pinnwand

Digitale Pinnwände können genutzt werden wie auch physisch vorhandene Pinnwände: Man kann Nachrichten „aufhängen“ Kartenabfragen organisieren, Arbeitabläufe visualisieren. Am bekanntesten ist padlet ( https://de.padlet.com/), das den größten Funtionsumfang hat, allerdings nicht datenschutzkonform betrieben werden kann. (https://de.wikipedia.org/wiki/Padlet). Alternativen zu padlet sind neben anderen:

Linksammlung

Die oben genannten Methoden und Werkzeuge sind im Netz auf unterschiedlichen Seiten gebündelt zu erhalten. Wichtig ist dabei, auf Werkzeuge zu achten, die unter einen freien Lizenz (Creative Commons, ) zu erhalten sind. Andere Werkzeuge sind häufig mit Lizenzen zu verbunden, die bezahlt werden müssen und deren datenschutzrechtlicher Status evtl. nicht geklärt ist. Hier einige Linksammlungen, die weiterhelfen.