Hello LoopAuf dem 35. Communication Congress des CCC wurde einer der einführenden Beiträge von Guy Standing gehalten. Themen waren das Entstehen des Prekariats und das Grundeinkommen als Strategie der Zukunft.

Das Video dazu gibt es hier:

https://media.ccc.de/v/35c3-10021-the_precariat_a_disruptive_class_for_disruptive_times

Im ersten Teil seines Vortrags umreißt Standing die Entwicklungen der Industriestaaten im 20. Jahrhunderts.

Er beschreibt, wie zu Beginn der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sozialdemokratische Ideen der Solidarität und Gerechtigkeit eine Phase vorübergehender Sicherheit und Wohlstands für die Mehrheit der Bevölkerung in den Industriestaaten gebracht haben. Aber seit etwa dreißig Jahren stagnieren die Realeinkommen während das Einkünfte vieler Menschen immer mehr über Vermögen und nicht mehr über Arbeit erfolgt. Gleichzeitig wächst die Zahl der Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen während eine winzige Minderheit in obszöner Weise Reichtum anhäuft.

Die Mitglieder dieses in den letzten Jahren entstandenen Prekariats werden immer mehr ihrer Rechte beraubt, weil sie nicht in der Lage sind, kulturelle, politische oder soziale Teilhabe wahrzunehmen.

Standing teilt das Prekariat in drei Gruppen auf (ab Minute 24.03):

1. Die Atavisten, die die früheren Zustände zurück haben wollen und die vor allem den Nährboden für neofaschistische Tendenzen bilden.

2. Die Nostalgiker, die sich nach einer Heimat sehnen und diese im Rahmen ihrer aktuellen Situation zu realisieren versuchen.

3. Die Progressiven, die Vorstellungen einer neuen Zukunft entwickeln. Sie halten sich weitgehend aus der Politik raus, weil sie genau wissen, in welchem Maß politische Entscheidungen manipuliert werden. Eine Gegentendenz ist aber in den verschiedenen Bewegungen seit 2008 (Occupy, Arabischer Frühling, …) zu sehen, indem sich immer mehr Mitglieder dieser Gruppe politisch engagieren.

Ab Minute 27:00 entwirft er Möglichkeiten zukünftiger gesellschaftlicher Entwicklung. Grundlage ist für ihn das Recht auf ein Grundeinkommen. Zwei positive Effekte eines Grundeinkommens hebt er hervor: Zum einen, dass es Menschen, insbesondere Frauen, in ihren Entscheidungen freier macht und zum anderen, dass Lohnarbeit (labour) von Arbeit (work) getrennt werden, was den Wert von „work“ angemessen werden lässt.

Interessant ist die nachfolgende Diskussion, in der er auf die Einwände gegen das Grundeinkommen eingeht.